Ministerin Verena Schäffer und Landtagsabgeordneter Simon Rock besuchten Kita „Wirbelwind“

26.06.2026

Kita

Ministerin Verena Schäffer und Landtagsabgeordneter Simon Rock besuchten Kita „Wirbelwind“
v.l.n.r. Prokuristin Diakonie-Kitas Svenja Butzmühlen, MdL Simon Rock, Kita-Leitung Karolina Langos-Singawi, Ministerin Verena Schäffer, Geschäftsführer Diakonie Bernd Gellrich

Ministerin Verena Schäffer und Landtagsabgeordneter Simon Rock besuchten Kita „Wirbelwind“ auf der Neusser Furth – Diakonie thematisiert Stärkung der Sprachförderung, kleine Kita-Gruppen und Sockelfinanzierung

Bei einem Besuch der Kindertageseinrichtung „Wirbelwind“ der Diakonie Rhein-Kreis Neuss informierten sich NRW-Ministerin Verena Schäffer und Landtagsabgeordneter Simon Rock über aktuelle Herausforderungen in der Alltagspraxis der frühkindlichen Bildung. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Zukunft der Sprachförderung, die Auswirkungen des Geburtenrückgangs sowie notwendige Reformen im Kinderbildungsgesetz (KiBiz).

Sprachförderung in der Fläche sichern

Die Diakonie Rhein-Kreis Neuss begrüßt das Ziel, Parallelstrukturen abzubauen, warnt jedoch vor Wissensverlust bei der geplanten Überführung der Sprach-Kitas in plusKITAS im Zuge der KiBiz-Novelle. Die Sprach-Kitas haben über Jahre hinweg erprobtes Fachwissen und tragfähige Netzwerke aufgebaut, die flächendeckend nutzbar gemacht werden müssen.

„Viele Kitas wie auch der ‚Wirbelwind‘ sind derzeit plusKITA und Sprach-Kita und fürchten nun, eine halbe Stelle für die Sprachförderung zu verlieren“, äußert Kita-Leitung Karolina Langos-Singawi.

Im Gespräch wurde erläutert, dass es künftig die Kommunen sein sollen, die gesetzlich wie finanziell die Möglichkeit erhalten, alle Sprachförderstellen zu verteilen bzw. fortzuführen. Ein Sozialindex wird den Kommunen dabei künftig als Orientierungshilfe zur Verfügung stehen.

Die von der Landesregierung geplanten ABC-Klassen werden von der Diakonie sehr kritisch gesehen. Sie fordert, die ABC-Klassen zumindest in den Kitas stattfinden zu lassen, damit die beängstigenden und stigmatisierenden Aspekte für die Kinder wegfallen, da diese in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

„Sprachentwicklung passiert im Alltag der Kita – im Miteinander, in Spiel- und Lernsituationen. Das langjährig aufgebaute Know-how der Sprach- und plusKITAs ist ein Schatz, der durch die Schaffung von viel mehr Sprachförderstellen in die Fläche getragen werden sollte. Für ABC-Klassen angesetzte Finanzmittel sollten in enge Kooperationen von Kitas und Schulen im Sinne einer durchgängigen Sprachbildung fließen und zwingend kindorientiert in den Kitas umgesetzt werden“, sagt Svenja Butzmühlen, Prokuristin der Diakonie Rhein-Kreis Neuss Kindertageseinrichtungen gGmbH.

Demografischer Wandel als Qualitätschance

Der Geburtenrückgang wirkt sich bereits deutlich auf die Platz-Belegung aus: Wo kürzlich noch lange Wartelisten bestanden, bleiben heute mancherorts Plätze frei. In
Neuss wurden trägerübergreifend Einrichtungen geschlossen oder zusammengelegt – ein Trend, der auch viele andere Kommunen betrifft. Der Geburtenrückgang eröffnet die Chance, Qualität und Stabilität in Kitas gezielt zu verbessern: Kleinere Kindergruppen bei gleicher personeller Ausstattung ermöglichen unter anderem

  • mehr Förderung, Bildung und Betreuungsqualität,
  • weniger Schließzeiten und Notbetreuung,
  • reduzierte Zugangsbarrieren für Eltern – insbesondere in prekären Lebenslagen,
  • eine Stärkung des Wahlrechts der Eltern und der dienstleistungsorientierten Haltung der Kitas,
  • höhere Zufriedenheit des Personals und weniger Krankheitstage,
  • einen für alle spürbar geringeren Geräuschpegel im Alltag

Finanzierung neu denken: Sockel statt reiner Pro-Kind-Pauschale

Die Steuerungslogik der vergangenen Jahrzehnte stand im Zeichen des Platzausbaus. Jetzt braucht es Reformen, die Stabilisierung und Qualität priorisieren. Die Diakonie plädiert dafür, die reine Pro-Kind-Finanzierung um eine verlässliche Sockelfinanzierung zu ergänzen. So erhalten Träger Planungssicherheit – auch bei Belegungsschwankungen.
„Eine ergänzende Sockelfinanzierung gibt Trägern die Sicherheit, auf die es ankommt: Verlässliche Teams, kleinere Gruppen und kontinuierliche Fortbildung können nachhaltig abgesichert werden – zum Wohle der Kinder und zur Sicherung guter pädagogischer Arbeit“, erklärt Bernd Gellrich, Geschäftsführer der Diakonie Rhein-Kreis Neuss.

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